Sieg beim Ironman Austria in Klagenfurt

Für die Ironman-WM auf Hawaii bin ich seit Dezember 2017 schon sicher qualifiziert. Der Ironman in Kärnten am 1. Juli war somit eine Art „Bonus-Rennen“ für mich. Von befreundeten Sportlern hatte ich so viel Gutes über das Rennen gehört. So fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Ich meldete mich an. Dieses Jahr bin ich spät in die Triathlonsaison gestartet, hatte aber von den drei absolvierten Mitteldistanzen eine gute Idee, wo ich stehe. Ich freute mich darauf, nun auch über die lange Distanz zu starten. Ich wusste, dass unter den 20 gemeldeten Profisportlerinnen auch drei Granaten an den Start gehen würden. Ich wusste allerdings auch, dass ich eine klasse Form und habe mir Chancen auf einen Podiumsplatz ausgerechnet.

Ziele setzen und verfolgen

(c) Getty Images for IRONMAN

Als ich mich im Jahr 2012 dazu entschloss, meinen Job als Vertriebscontrollerin zu reduzieren und es als Triathlon-Profi zu versuchen, steckte ich mir mehrere Ziele. Nun ist die Liste um einen weiteren Vorsatz kleiner geworden! Beim Ironman Austria überquerte ich nach 9:00:32 Stunden als erste Athletin die Ziellinie in Klagenfurt und habe damit nach vielen zweiten Plätzen erstmals einen Ironman für mich entscheiden können.

 

 

In der Ersten Schwimmgruppe dabei
Der Wettkampf lief von Beginn an richtig gut. Beim Landstart ging ich ein Risiko ein; ich stellte mich zentral im Starterfeld auf, anstatt am Rand dem Gewühl zu entgehen. Ein Landstart liegt mir gut und der Plan war, so ein paar schnelle Füße für das Schwimmen zu erwischen. Und der Plan ging auf! Auf den 3,8 Kilometern, die im Wörthersee geschwommen wurden, ließ ich mich nicht abschütteln und blieb eng an den Favoritinnen dran. Das war das erste Mal, dass ich mit der ersten Gruppe aus dem Wasser gekommen bin. Und es war teilweise sogar so locker, dass ich überlegte nach vorn zu gehen, um Tempo zu machen. Aber ich dachte mir: Mareen, sei froh dass du in dieser Gruuppe mitschwimmen kannst und schau erst mal, wie das Schwimmen sich im Ganzen so gestaltet.“ Bis zum Ende war nie die Gefahr, dass ich die Gruppe verliere. Eine ganz neue Situation bei einem großen Rennen – und richtig gut!!! Meine Mutter stand beim Radaufstieg und hatte die Aufgabe, mir Platzierung und Rückstand durchzugeben. Ich hatte das am Vortag mit ihr geübt. Als Beispiel haben wir „Mareen, Platz 5, 4 Minuten 30“ genommen. Als ich dann hörte: „Mareen, Platz 5, 4 Minuten 30“ musste ich schmunzeln. Hatte sie das Beispiel des Vortags nun so verinnerlicht oder ist das der reelle Rückstand? Ich war optimistisch, dass es Letzteres war.

Mächtig Druck auf dem Rad

Bild: Ironman Tracker

Die Österreicherin Beatrice Weiss war einige Minuten vor mir aufs Rad gestiegen, aber Rosie und ich gaben ordentlich Gas und nach 80 Kilometern hatte ich die Lücke nach ganz vorne zugefahren. Viel Zeit die schöne Radstrecke zu genießen,nahm ich mir allerdings nicht. Ich drückte weiter aufs Tempo und konnte in meiner Paradedisziplin einen guten Vorsprung auf die meisten Athletinnen herausfahren. Neue Bestwerte auf dem Rad zeigen, dass ich für Kona auf einem sehr guten Weg bin.

 

 

 

Ein taktischer Marathon

Bild: Ironman Tracker

Als es auf die Laufstrecke ging, war ich nur noch dicht verfolgt von Lisa Hütthaler. Sie schloss bei KM 4 auf und wir liefen gemeinsam Kilometer für Kilometer. Emma Pallant hatte in der zweiten Wechselzone 4 Minuten Rückstand, kam aber auf der Laufstrecke schnell heran und überholte mich bei KM 12. Sie führte zwischenzeitlich mit drei Minuten Vorsprung. Dass mir das Podium sicher ist, wenn ich keinen Unsinn mache und den Marathon gescheit durchlaufe, wusste ich zu diesem Zeitpunkt bereits. Ich entwickelte einen Plan, um es noch weiter nach vorne zu versuchen. Dafür musste ich aber erst einmal geduldig sein. Bei KM 32 startete ich dann meine Tempoverschärfung.

Bild: Ironman Tracker

Ich konnte sofort eine Lücke zu Lisa Hütthaler aufmachen und bei Kilometer 37 auch noch die Führende Emma Pallant überholen. Zu dem Zeitpunkt realisierte ich dann, dass – wenn ich mich weiter gut konzentriere, gut verpflege, und das Tempo unter 4:30 Min/km halte – das Rennen wirklich gewinnen kann. Ein tolles Gefühl! Ich habe mich gefreut, wurde aber nicht leichtsinnig, sondern blieb bis zum Ziel konzentriert. Kurz vor dem Ziel stand mein Vater dann und sagte mir, dass ich genug Vorsprung habe, um den Zieleinlauf zu genießen.
Ich bin ohne jeden Druck gestartet. Umso schöner, dass mir der Sieg geglückt ist. Gerade auch, weil meine Eltern dabei waren. Es war schön, das Erlebnis mit ihnen zu teilen und sie sind natürlich mächtig stolz.

Vielen Dank an meine Sponsoren, Unterstützer und Ausrüster!

Pressebericht: NRZ 4.Juli 2018